EXPO 2025 Osaka – Zukunft, Kreislauf und ein Regenbogen in der Nacht
Ein persönlicher Bericht nach meinem 3-Tägigen Besuch der EXPO in Osaka, Mitte August.
Die EXPO 2025 in Osaka trägt den Anspruch im Namen: Designing Future Society for Our Lives. Unterteilt in die Themen Saving Lives, Empowering Lives und Connecting Lives zeigt sie auf, wie Technologie, Gestaltung und Verantwortung eine gemeinsame Sprache finden können. Austragungsort ist die künstliche Insel Yumeshima – eine ehemalige Schüttinsel, heute Sinnbild für Wandel und Neuanfang. Zwischen Sonne, Stahl, Holz und Wasser entstand hier ein Ort, der Zukunft nicht nur zeigt, sondern fühlbar macht.
Das Gelände ist monumental angelegt: Pavillons, Länderzonen und Themenbereiche gruppieren sich um den sogenannten Grand Ring, entworfen vom Architekten Sou Fujimoto. Eine zwanzig Meter hohe, hölzerne Ringstruktur mit über 670 Metern Durchmesser umschließt das Herz der Ausstellung. Von oben, über den begrünten Skywalk, lässt sich das gesamte Areal umrunden – ein Symbol für „Vielfalt in Einheit“. Wer den Weg geht, spürt, wie sich Architektur und Natur verbinden: Schatten, Wind, Holzgeruch und der Blick auf die Bucht von Osaka.
Die Temperaturen waren im August herausfordernd. Trotz der drückenden Hitze blieb die Stimmung konzentriert und freundlich. Überall fächelten sich Besucher Luft zu, Kinder liefen mit bunten Stempelkarten durch die Pavillons – Teil der beliebten Stempelrallye, die Jung und Alt gleichermaßen motivierte. Auch kulinarisch war die EXPO eine Entdeckung: japanische Klassiker neben internationalen Spezialitäten, kleine Oasen mit Schatten und kaltem Tee als willkommene Pausenorte.
Zu den beeindruckendsten Bauten gehörte der Japan Pavilion mit dem Thema „Between Lives“. Das kreisförmige Gebäude aus hunderten CLT-Holzplanken symbolisiert den Kreislauf allen Lebens. Licht dringt durch Zwischenräume, als atme das Bauwerk. Innen bewegt man sich in einem Rundgang, der von einem Biogas-System gespeist wird – eine Installation, in der Mikroorganismen den Abfall des Geländes in Energie verwandeln. So entsteht ein „lebender Pavillon“, der die Besucher in einen endlosen Zyklus aus Entstehen, Vergehen und Wiederkehr eintauchen lässt. Selbst die Uniformen des Personals spiegeln diesen Gedanken: recycelte Stoffe, inspiriert vom Kimono, schlicht und elegant. Hier ist Nachhaltigkeit kein Thema, sondern Haltung.
Ein weiterer Höhepunkt war die nächtliche Wassershow auf dem Water Plaza. Auf einer Fläche von fast 9.000 Quadratmetern entstand eine Bühne aus Fontänen, Licht und Klang. Rund 300 Wasserstrahler, Laser, Nebel und Projektionen erzählten die Geschichte eines Kindes namens Ao, das in einer mythischen Nacht einen Regenbogen entdeckt und auf eine Insel voller feiernder Lebewesen stößt. Diese poetische Erzählung verband Natur und Fantasie mit einem Spektakel aus Bewegung und Farbe. Musik und Wasser verschmolzen zu einem choreografierten Strom – lautlos und monumental zugleich. Es war weniger eine Show als ein Moment, in dem Technik, Erzählung und Emotion ineinander übergingen.
Trotz allem Glanz blieb auch Kritik: das Buchungs- und Platzvergabesystem der Pavillons erschwerte spontane Besuche, insbesondere bei den Signature Pavilions. Viele warteten geduldig in der Sonne, andere suchten Schatten unter den Holzkonstruktionen. Doch vielleicht gehört auch das dazu – zu einer Welt, die lernen muss, Geduld und Planung neu zu verbinden.
Die EXPO 2025 auf Yumeshima ist ein Ort, an dem große Ideen sichtbar werden, ohne laut zu werden. Holz, Wasser, Licht und Klang erzählen hier von Kreisläufen, Verbindung und Veränderung. Zwischen architektonischer Präzision und flüchtigen Momenten entsteht ein Gefühl, das bleibt: dass Zukunft nichts Abstraktes ist, sondern eine Haltung – gestaltet im Zwischenraum zwischen Leben.
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