PROTEST! – Von der Wut zur Bewegung (Stuttgart, 2024–2025)
Manchmal begegnet man Ausstellungen, die nicht einfach informieren, sondern etwas auslösen. „PROTEST! Von der Wut zur Bewegung“ im Haus der Geschichte Baden-Württemberg war eine davon. Kuratiert mit spürbarer Sorgfalt und Sinn für Dramaturgie, verband sie Geschichte, Gegenwart und Emotion – und regte vor allem eines an: Selbstreflexion.
Protest in vielen Gesichtern
Bunte Banner, historische Fotos, aufwühlende Stimmen und Projektionen: Die Ausstellung zeigte Protest als facettenreiches Phänomen – laut und leise, wütend und hoffnungsvoll zugleich. Sie reichte vom Bauernkrieg über die Friedensbewegung bis zu aktuellen Klimaprotesten. Als Besucher tauchte man ein in die Energie vergangener und heutiger Bewegungen, verbunden durch die gleiche Frage: Was bringt Menschen dazu, aufzustehen?
Zwischen Emotion und Struktur
Spannend war die Balance zwischen Dokumentation und Erfahrung. Die Ausstellung kombinierte Archivmaterial mit immersiven Räumen, in denen sich Besucherinnen und Besucher selbst positionieren konnten. Wer wollte, konnte sich einer Menschenkette anschließen, Protestsongs hören oder virtuelle Demonstrationen miterleben. Gerade diese Nähe machte das Thema greifbar – und fotografisch betrachtet: wunderbar inszeniert.
Ein Raum zum Nachdenken – und zum Ausbrechen
Ein intensives Highlight war ein alter Pkw, der vor einer raumhohen roten Wand mit der weißen Aufschrift „WUT“ stand. Daneben lag ein Schlagwerkzeug bereit – wer wollte, konnte damit auf das Auto einschlagen und so sprichwörtlich Dampf ablassen. Ein ungewöhnliches, aber wirkungsvolles Mittel, um das Thema körperlich erfahrbar zu machen. Die Aktion wurde gut angenommen und fügte der Ausstellung eine physische Ebene hinzu: das Ventil als Symbol für aufgestaute Energie.
Ein Raum für Reflexion
Am stärksten blieb mir die Atmosphäre im Gedächtnis – ruhig, konzentriert, fast andächtig. Die Ausstellung schaffte es, den Lärm des Protests zu visualisieren und zugleich Stille zu erzeugen. Es war keine heroische, sondern eine ehrliche Darstellung: Wut als Ausgangspunkt, Bewegung als Hoffnung. Sie stellte nicht nur die großen Fragen, sondern auch die ganz persönlichen – wie viel Mut braucht Veränderung?
Kuratiert mit Haltung
„PROTEST!“ war klug aufgebaut – mit einer klaren Erzählstruktur, starken Medienbildern und einer offenen Botschaft: Teilhabe beginnt mit Verständnis. Dass die Ausstellung in Stuttgart gezeigt wurde, war kein Zufall – hier treffen Geschichte und Gegenwart aufeinander. Kuratiert wurde sie vom Team des Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit Jangled Nerves, die erneut zeigten, wie Ausstellungsgestaltung Emotion und Wissen verbinden kann. Eine Handschrift, die mich bereits in Projekten wie „Weltenbrand“ oder „Uffrur“ begeistert hat.
Fazit
„PROTEST!“ war keine einfache Ausstellung – und genau das machte sie wertvoll. Sie brachte mich zum Nachdenken darüber, was Protest eigentlich bedeutet, jenseits der Schlagzeilen: Haltung zeigen, Zweifel aushalten, zuhören. Eine Ausstellung, die bleibt – im Kopf und im Gefühl.
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